Analyse der Ausnahmen vom Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen im Jahr 2016

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In dem Diagramm kann man sehen, wie viele Ausnahmen es vom Nachtflugverbot in den jeweiligen Monaten des Jahres 2016 gab. An der Y-Achse ist die Anzahl aufgetragen und an der X-Achse kann man die Monate ablesen. Pro Monat sind die Ausnahmen dann noch nach Kategorien sortiert. So wird zwischen verspäteten Landungen, verspäteten Starts, verspäteten Starts und Landungen, bei denen es sich hauptsächlich um medizinische Hilfsflüge handelt und Vermessungsflügen der DFS unterschieden. Der Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Frankfurter Flughafens sagt zu den einzelnen Ausnahmeregelungen Folgendes:

Verspätete Landungen sind nach Ziffer 4.1.3.1. zulässig, wenn ein Luftfahrzeug mindestens bestimmte Lärmzertifizierungswerte nicht nur knapp erfüllt und dessen Landung in der Zeit bis 22.00 Uhr bzw. ab 06.00 Uhr geplant ist. In diesem Fall dürfen Flugzeuge bis 00.00 Uhr bzw. ab 05.00 Uhr ohne Anrechnung auf die Kontingentierung zu Ziffer 4.1 (Durchschnittlich 150 Flüge zwischen 22:00 und 06:00) sowie die Höchstgrenze zu Ziffer 4.1.2 (17, kalenderjährlich nicht mehr als 6205 Zeitnischen [Slots]) landen, sofern sich die Verspätung oder Verfrühung nicht schon aus der Flugplangestaltung (§ 25 LuftVO) ergibt.

Außerdem sind verspätete Landungen nach Ziffer 4.1.3.2. zulässig, wenn ein Luftfahrzeug bestimmte Lärmzertifizierungswerte erfüllt und dessen Landung in der Zeit zwischen 22.00 Uhr und 23.00
Uhr bzw. zwischen 05.00 Uhr und 06.00 Uhr unter den Voraussetzungen der Ziffer 4.1.1 geplant ist. In diesem Fall dürfen Luftfahrzeuge bis 00.00 Uhr ohne Anrechnung auf die Höchstgrenze zu 4.1.2 landen, sofern sich die Verspätung nicht schon aus der Flugplangestaltung (§ 25 LuftVO) ergibt. Verfrühungslandungen vor 05.00 Uhr sind untersagt.

Zu guter Letzt sind verspätete Landungen nach Ziffer 4.1.3.3. auch zulässig, wenn die Zahl der nach den Ziffern 4.1.3.1 und 4.1.3.2 zulässigen Verspätungslandungen zwischen 23.00 Uhr und 00.00 Uhr im Durchschnitt eines Kalenderjahres den Wert von 7,5 überschreitet. Damit bleiben unter Beachtung der öffentlichen Verkehrsinteressen nachträgliche Änderungen und Ergänzungen der für diesen Nachtzeitraum angeordneten Verspätungsregelungen vorbehalten. [……]

Verspätete Starts von Luftfahrzeugen, die in einem Betriebsbeschränkungszeitraum
mit einem unter die Beschränkung fallenden Luftfahrzeug ausgeführt werden sollen,
bedürfen in jedem Einzelfall der Erlaubnis durch die örtliche Luftaufsichtsstelle. Die Erlaubnis darf nur erteilt werden, wenn die Verspätung auf Gründen beruht, die außerhalb des Einflussbereiches des jeweiligen Luftverkehrsunternehmens liegen. Starts
verspäteter Luftfahrzeuge sind zwischen 00.00 Uhr und 05.00 Uhr unzulässig, sofern
sie nicht den Zulassungstatbestand der Ziffer 4.1.2 erfüllen.

Insgesamt sind nach Ziffer 6.1. bestimmte Ereignisse  von den betrieblichen Einschränkungen  nach den Ziffern 1-5 ausgenommen. Nach Ziffer 6.1.1. sind Landungen von Luftfahrzeugen, die aus meteorologischen, technischen oder sonstigen Sicherheitsgründen den Flughafen Frankfurt Main als Ausweichflughafen anfliegen, Starts und Landungen von Luftfahrzeugen, die sich in medizinischen Hilfeleistungs- oder Katastropheneinsätzen befinden, sowie Evakuierungsflüge zulässig. Des Weiteren sind Ausnahmen nach Ziffer 6.1.2. bei Flügen von besonderem öffentlichen Interesse möglich. Außerdem darf die Genehmigungsbehörde im Übrigen nach Ziffer 6.2. Ausnahmen von den betrieblichen Einschränkungen nur in Fällen besonderer Härte zulassen. Kein Fall besonderer Härte liegt vor, wenn durch die Betriebseinschränkung die Flugzeugumlaufplanung des Luftverkehrsunternehmens erschwert oder Maßnahmen des Passagiertransfers bzw. der Passagierunterbringung erforderlich werden.

Soweit waren das die wesentlichen Bestimmungen zu den Ausnahmen vom Nachtflugverbot nach dem Planfeststellungsbeschluss. Nachzulesen sind diese auch noch einmal etwas genauer in einem Blog-Eintrag vom November 2011.

Nun komme ich zur Auswertung des Diagramms, bei der der Fokus auf den verspäteten Landungen und den verspäteten Starts liegt.

Betrachtet man die verspäteten Landungen, so fällt ins Auge, dass die meisten Flugzeuge in den (Sommer-)Monaten von Mai bis Oktober verspätet landen. Spitzenreiter ist der Monat Juni mit 90 verspäteten Landungen, also im Schnitt 3 verspätet ankommenden Maschinen pro Nacht.  Die Häufung der verspäteten Landungen in den (Sommer-)Monaten ist durch die vor allem im Sommer vorkommenden schwankenden Wettereinflüsse bedingt.

Bei einem Blick auf die verspäteten Starts erkennt man, dass diese sich noch mehr auf die Sommermonate konzentrieren. Erkenntlich ist nämlich, dass die meisten verspäteten Starts von Mai bis Juni stattgefunden haben. Spitzenreiter ist auch hier der Juni mit 162 verspäteten Starts, was im Schnitt 5,4 verspätet startenden Flugzeugen pro Nacht entspricht. Diese Konzentration ist auch wieder durch besondere Wetterlagen im Sommer bedingt. Durch nicht selten und vor allem plötzlich aufziehende Gewitterzellen wird der Flugplan erheblich beeinflusst, weswegen es leicht zu Verspätungen bei der Abfertigung und Kapazitätsengpässen kommen kann. Kapazitätsengpässe entstehen vor allem dann, wenn beispielsweise eine Startbahn wegen einem Gewitter oder ungünstigen Windeinflüssen temporär nicht genutzt werden kann. Teilweise ist auch der mit einem Gewitter verbundene Starkregen ein Problem. Dadurch liegen die Verspätungen auch nicht im Verantwortungsbereich einer Fluggesellschaft, weswegen eine Ausnahmegenehmigung zum verspäteten Start zulässig ist.

Eine Notiz am Rande sind noch die 18 Vermessungsflüge der Deutschen Flugsicherung im April, was der Höchstwert aller Monate im gesamten Jahr 2016 ist. Die meisten verspäteten Starts und Landungen, bei denen es sich häufig um medizinische Hilfsflüge handelt, gab es im Dezember.

Schlussendlich fanden im gesamten Jahr 2016 60 Vermessungsflüge der DFS, 75 verspätete Starts und Landungen, 342 verspätete Starts und 465 verspätete Landungen in der Zeit des Nachtflugverbots zwischen 23.00-05.00 Uhr statt. Daraus ergeben sich im Schnitt 38,75 verspätete Landungen und 28,5 verspätete Starts pro Monat im Jahr 2016. Im Vergleich dazu gab es im Jahr 2015 von Februar bis einschließlich Dezember 26,64 verspätete Landungen und 22,82 verspätete Starts.

 

(Erstellt von Fabian Diekmann am 30.01.2017)

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