Erfassung von Fluggeräuschereignissen

Schaut man sich die Messergebnisse einer Fluglärmmessstation an, so wird einem vermutlich bei näherer Betrachtung schnell auffallen, dass einzelne Überflüge nicht erfasst worden sind. Es existieren von diesen Flügen zwar Messwerte, die jedoch keine Berücksichtigung finden. Aber wie kann es zu diesem Umstand kommen? Zunächst ist erst einmal in jedem Messbericht zu Beginn die Erfassungsrate der einzelnen Station angegeben. So wurde die Messstation in Mainz-Hechtsheim im 1.Quartal 2016 von 7289 Flugzeugen im Landeanflug überflogen, wobei die Station an sich nur 5901 Fluggeräuschereignisse identifiziert hat, was einer Identifizierungsrate von 80,96% entspricht. Somit sind fast ein Fünftel der landenden Flugzeuge nicht erfasst worden. Dies hat verschiedene Gründe. Zuerst werde ich aber kurz erklären, wie die Erkennung eines Fluggeräuschereignisses funktioniert. Durch den Einsatz einer speziellen Software wird eine zweistufige Erkennung angewendet. Als erstes wird das Geräusch auf Grund physikalischer Parameter analysiert. So muss der Schall eines Fluggeräuschereignisses beispielsweise einen Messschwellenpegel um mindestens einen bestimmten Betrag übersteigen, um einem Flugzeug zugeordnet werden zu können. Zu dieser Messschwelle lässt sich noch sagen, dass sie bei allen Messstationen des Umwelthauses dynamisch ist. Die Messschwelle ist somit variabel und passt sich der Hintergrundgeräuschsituation an. Das hat den Vorteil, dass auch leisere Geräuschereignisse identifiziert werden können. Als nächstes findet dann eine detaillierte Erkennung anhand einer Korrelationsanalyse mit Musterspektren statt. Diese Musterspektren werden mit Hilfe von Audioaufzeichnungen aus für den Messort typischen Fluggeräuschereignissen erstellt. Vereinfacht kann man sagen, dass es viele typische Geräusche (wie z. B. Autohupe, Feuerwehrsirene, startendes Flugzeug, landendes Flugzeug,…) gibt, die man bei der Messung einbezieht oder ausschließt. Letztlich werden noch die erkannten Fluggeräuschereignisse mit den FANOMOS-Daten (Radarspuren) der DFS abgeglichen. Bei diesem Identifizierungsverfahren sind Ungenauigkeiten aber nicht ausgeschlossen. Hierfür gibt es noch die „menschliche“ Kontrolle. Sind Messergebnisse auffällig, hört sich der zuständige Mitarbeiter des Umwelthauses die Aufnahme des Flugzeuges an, wodurch er überprüfen kann, ob ein reines Fluggeräusch aufgezeichnet wurde, oder zum Beispiel ein Hundebellen die Messung verfälscht hat.

Um eine möglichst hohe Erfassungsrate zu erreichen, muss man also erst einmal einen geeigneten Standort für die Messstation finden. Dieser sollte so wenig wie möglich durch andere Lärmquellen beeinflusst werden. Eine Messung in der Nähe einer Hauptverkehrsstraße lässt sich einfach vermeiden. Schwieriger wird es jedoch beispielsweise bei Vogelgezwitscher. Lässt sich ein Vogel in der Nähe des Mikrofons nieder, kann er durch sein Gezwitscher sehr schnell die Identifizierung von Fluglärmgeräuschereignissen unmöglich machen. Diesen Einfluss kann man leider nicht verhindern. Genauso abhängig sind die Messungen natürlich vom Wetter. Bei starkem Gewitter kann der Schallpegel auch so verfälscht werden, dass ein überfliegendes Flugzeug nicht erkannt wird. Außerdem werden bei Windgeschwindigkeiten im Mittel über 5 Meter pro Sekunde die Fluggeräuschereignisse ungültig, auch wenn alle physikalischen Parameter stimmen. So wird die Erfassung von Störgeräuschen verhindert. Eine Beeinflussung der Erfassungsrate findet auch noch durch die Ausfallzeiten einer Messstation statt. Denn bedauerlicherweise können bei einer Station Softwarefehler vorkommen, die das System vorübergehend außer Kraft setzen. Diese können aber meistens schnell behoben werden. Zum normalen Betrieb einer Fluglärmmessstation gehören auch noch Wartungsarbeiten, die ebenfalls für eine Unterbrechung der Aufzeichnung von Fluggeräuschereignissen sorgen. Weitere Gründe für eine Ausfallzeit können zum Beispiel auch Nachbarschaftslärm oder ein Stromausfall sein.

(Erstellt von Fabian Diekmann am 11.11.2016)

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