Testflüge am Frankfurter Flughafen: Geht es auch leiser?

Vorbereitungen am Frankfurter Flughafen (Quelle: UNH)

Vorbereitungen am Frankfurter Flughafen (Quelle: UNH)

Mit Piloten verschiedener Airlines testete das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) vom 26. bis 28. September ein neues Assistenzsystem für einen leiseren und kerosinärmeren Anflug. Das Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) unterstützt das Forschungsprojekt mit 560.000 Euro.

Der etwas sperrige Name „Low Noise Augmentation System“ (kurz: LNAS) klingt in den Ohren vieler wie eine Verheißung. Das neue Assistenzsystem soll Piloten beim besonders arbeitsintensiven Anflug unterstützen: indem es ihnen über ein Display im Cockpit den idealen Zeitpunkt zum Ausfahren von Fahrwerk und Klappen anzeigt. Damit könnten Landeanflüge deutlich leiser werden. Außerdem würden die Fluggesellschaften Kerosin sparen. Für die Tests kam das DLR-Forschungsflugzeug A320 ATRA zum Einsatz.

Das Ziel: Landeanflüge optimieren

Ob der Prototyp hält, was er verspricht, testeten Experten des DLR mit mehrstündigen Probeflügen unter realen Bedingungen am Frankfurter Flughafen. Im Fokus stand dabei der Landeanflug. Von 1.000 Stundenkilometern über den Wolken muss die Maschine dabei auf eine Aufsetzgeschwindigkeit von knapp 300 Stundenkilometern heruntergebremst werden. Dafür nimmt der Pilot Schub aus den Triebwerken und fährt die Bremsklappen aus. Dabei muss das Duo im Cockpit Wind, Wetter und den Verkehr rund um den Flughafen im Auge behalten, auf die Vorgaben der Lotsen achten und bei alldem möglichst leise und spritsparend landen.

Piloten-Assistenzsystem LNAS im Einsatz (Quelle: DLR)

Piloten-Assistenzsystem LNAS im Einsatz (Quelle: DLR)Vielversprechende Ergebnisse im Simulator

Vielversprechende Ergebnisse im Simulator

Zukünftig soll das Assistenzsystem LNAS die Piloten beim optimalen Sinkflug unterstützen. Das System zeigt ihnen den besten Zeitpunkt zum Setzen der Landeklappen, Erreichen der Zwischenflughöhen und Ausfahren des Fahrwerkes an. Die dafür nötigen Daten liefern Bordsensoren und Anfluginformationen. Befolgt der Pilot diese Vorschläge, so die Vorstellungen der Macher, kann das Flugzeug größtenteils im Leerlauf zur Landung ansetzen. Das reduziert den Lärm und spart Treibstoff. Im Simulator wurde das neue Assistenzsystem bereits erfolgreich erprobt. Dabei variierten die Forscher beim virtuellen Anflug auf den Frankfurter Flughafen zum Beispiel das Wetter, Sichtbedingungen, Verkehrslage und Gewicht der Maschine. Die positiven Ergebnisse aus dem Simulator bestätigten sich auch bei isolierten Testflügen ohne umgebenden Flugverkehr.

Praxistest am Frankfurter Flughafen

Für den abschließenden Realitätscheck im Hochbetrieb probierten erfahrene Piloten verschiedener Fluggesellschaften das neue Assistenzsystem aus. Ein DLR-Pilot war stets mit an Bord. Die Forscher wollten so erfahren, wie sich unterschiedliche Einflüsse wie Wetter, Sichtverhältnisse oder die Vorgaben der Lotsen auf LNAS auswirken und wie Berufspiloten auf das System reagieren.

Forschungsflugzeug ATRA im Landeanflug (Quelle: DLR)

Forschungsflugzeug ATRA im Landeanflug (Quelle: DLR)

„Es ist ein wichtiger Entwicklungsschritt, nun die Eindrücke und Erfahrungen routinierter Airline-Piloten mit dem neuen System im anspruchsvollen Flughafenbetrieb Frankfurts mit seinem hohen Verkehrsaufkommen zu sammeln“, sagte DLR-Projektleiter Stefan Levedag.

Das Umwelthaus fördert das Forschungsprojekt

Weitere Unterstützung bei ihrem Vorhaben bekommen die Forscher von den zahlreichen Lärmmessstellen, die im Umfeld des Frankfurter Flughafens eingerichtet sind. Durch sie lässt sich der Lärmminderungseffekt der optimierten Anflugverfahren genau und lokal untersuchen. „Die Verbesserung der Lärmsituation für die Rhein-Main-Region durch aktiven Schallschutz hat für das FFR oberste Priorität. In der Zusammenarbeit mit dem DLR gelingt es uns immer wieder, neue und innovative Verfahren voranzubringen. Das Projekt LNAS hat einen ganz besonderen Reiz, denn hier kann es gelingen, Lärmreduzierung und Kerosineinsparung gleichzeitig zu erreichen“ sagte Günter Lanz, Geschäftsführer des UNH.

Das UNH fördert das Forschungsprojekt mit 560.000 Euro. Die Ergebnisse des Projekts werden jetzt ausgewertet. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt will sie im November auf der ICANA 2016 vorstellen.

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