NORAH zu Besuch in der Hauptstadt

Am 20. September stellte das Wissenschaftler-Team der Lärmwirkungsstudie NORAH seine Ergebnisse in Berlin vor. Die 2015 fertiggestellte Studie hat viele Fragen zur Auswirkung von Verkehrslärm auf die Gesundheit beantwortet. Damit gibt sie auch wichtige Hinweise darauf, welche Anforderungen zukünftige Gesetze zum Schutz der Bevölkerung vor Verkehrslärm erfüllen sollten.

Rund 70 Politikerinnen und Politiker fanden sich Mitte September in der hessischen Landesvertretung in Berlin Mitte ein, um mehr über die Ergebnisse der NORAH-Studie zu erfahren. Das Ziel der vom hessischen Forum Flughafen und Region (FFR) initiierten Veranstaltung: Die Bundestagsabgeordneten, Ausschuss- und Fraktionsmitglieder sollten direkt von den an NORAH beteiligten Wissenschaftlern erfahren, wie sie die Ergebnisse bewerten. „Es war uns wichtig, dass die Politiker, die auf Bundesebene für den Verkehrslärmschutz zuständig sind, die Wissenschaftler im Originalton hören – unbeeinflusst von den Deutungen der Lobbyvertreter und Interessensgruppen“, erklärt Günter Lanz, Geschäftsführer des Umwelt- und Nachbarschaftshauses (UNH).

Wissenschaft trifft auf Politik

Nach einer Einführung ins Thema durch die hessische Fluglärmschutzbeauftragte Regine Barth und den Präsentationen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rundete eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion das Programm ab: Moderiert vom Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und Vorstand des FFR, Prof. Johann-Dietrich Wörner, tauschten sich der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag Martin Burkert sowie Vertreter des Bundesumweltministeriums, der Luftverkehrswirtschaft und der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Fluglärmkommissionen aus – eine gute Gelegenheit für die Gäste, die verschiedenen Standpunkte und Argumente in der Verkehrslärmdebatte zu hören.

Wissenschaftliche Basis für die Verkehrslärmdebatte

Die NORAH-Ergebnisse und ihre Interpretation sind für die Diskussion um Verkehrslärm gleich aus mehreren Gründen politisch brisant. Zum einen ist NORAH europaweit eine der aktuellsten und umfassendsten Untersuchungen zu den Auswirkungen von Flug-, Schienen- und Straßenverkehrslärm auf die Bevölkerung. Zum anderen hat die Studie gezeigt, dass Verkehrslärm erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden haben kann. In fünf unabhängigen Teilstudien konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem nachweisen, dass das Risiko, an einer Depression zu erkranken, mit steigendem Lärm zunimmt. Kinder in stark mit Fluglärm belasteten Regionen lernen NORAH zufolge langsamer Lesen. Und die Belästigung durch Verkehrslärm lag im Studienzeitraum deutlich höher, als ältere, in der EU-Gesetzgebung verwendete Berechnungen nahelegen.

Das Umwelthaus als unabhängige Plattform für den Dialog zwischen Luftverkehrswirtschaft und Anwohnern im Raum Frankfurt, hatte die Studie 2010 angestoßen, um die Diskussion über die Auswirkungen von Verkehrslärm in der Region zu versachlichen und konstruktiv voranzutreiben.

Neues Gesetz zum Fluglärmschutz in Planung

Auch wenn die NORAH-Wissenschaftler und -Wissenschaftlerinnen vor allem im Frankfurter Raum geforscht haben, haben die Ergebnisse auch über die Region hinaus Bedeutung. Das legt zum Beispiel eine Stellungnahme des Umweltbundesamts (UBA) zur Studie nah. Im wenige Tage vor der NORAH-Präsentation in Berlin veröffentliche Positionspapier kündigt die Organisation an, dass sie die Studienergebnisse bei ihrer anstehenden Evaluation des Gesetzes zum Schutz gegen Fluglärm berücksichtigen werde. Neue Gesetzentwürfe, etwa zum Fluglärmschutzgesetz oder zum noch wichtigeren Luftverkehrsgesetz, werden allerdings in dieser Legislaturperiode nicht mehr zu erwarten sein – so die Andeutungen der anwesenden Bundespolitiker. „NORAH hat gezeigt, dass sich sowohl die Verkehrslärmbelastung als auch die von der Bevölkerung empfundene Belästigung in den letzten zehn Jahren erheblich verändert haben“, erklärt Lanz. „Dies, wie auch die Erkenntnisse über die gesundheitlichen Auswirkungen des Verkehrslärms, können bei künftigen Gesetzesänderungen nicht ignoriert werden.“

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