Betriebsrichtung und Rückenwindkomponente – Eine Erläuterung

Immer wieder einmal erfährt unsere Betriebsrichtungsprognose verstärkte Aufmerksamkeit, zumindest dann, wenn sie in scheinbar offensichtlichem Gegensatz zu den Windmonitoren bzw. der Winddarstellung steht.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal darstellen, wie unsere Prognosen zustande kommen, wer sie erstellt, was sie leisten kann und was nicht. Vorab als Anmerkung, die Messungen und Prognosen erfolgen völlig unabhängig vom Flughafen und der DFS. In unserem Auftrag erstellt ein versierter ausgebildeter Meteorologe die Prognosen 3 x am Tag, in Sonderfällen auch zwischendurch. Er ist seit langen Jahren bereits zu Zeiten des RDF in diesen Fragen tätig und hat daher intime Kenntnisse der Frankfurter Situation. Wir übernehmen diese Daten und veröffentlichen sie 1:1 auf unserer Internetseite – automatisch über eine standardisierte Prozedur – d.h., auch wir bekommen die Prognose zum selben Zeitpunkt wie alle anderen Sie auch online sehen können.

Nun zur Frage der Wettersituation und BR-Prognosen der letzten Zeit:

Vielen aufmerksamen Nutzern der Betriebsrichtungsprognose wird aufgefallen sein, dass in den letzten Wochen die Vorhersage der Betriebsrichtung nicht mit der gewohnten Präzision erfolgte. Über mehrere Tage hin wurde der ‚indifferente Zustand’ (d.h. beide Betriebsrichtungen treten mit etwa gleich hoher Wahrscheinlichkeit auf) vorhergesagt, gelegentlich kam es auch zu Fehlprognosen.

Das ist für uns so unerfreulich wie für Sie, schließlich besteht der erklärte Zweck der Betriebsrichtungsprognose darin, der vom Fluglärm betroffenen Bevölkerung mit hoher Verlässlichkeit die Vorbereitung auf die Lärmsituation der kommenden Tage zu ermöglichen. Die Gründe sind die folgenden:

Seit der zweiten Juniwoche war über einen ungewöhnlich langen Zeitraum von rund 14 Tagen das Hoch Xerxes im Bereich der Britischen Inseln wetterbestimmend. In Verbindung mit vorherrschendem Tiefdruck über Skandinavien und einer Hochdruckzone über dem Schwarzen Meer war die Windsituation am Boden überwiegend durch schwache Winde aus nordwestlichen bis nordöstlichen Richtungen geprägt. Bereits geringe Abweichungen vom vorhergesagten Wind sind in einem solchen Fall naturgemäß fatal für unsere Betriebsrichtungsprognose, denn das Überschreiten der zulässigen 5 Knoten in der 70°-Windkomponente fällt genau in den Unsicherheitsbereich der Vorhersage.

Da wir aber nicht ‚nur’ den Wind vorhersagen, sondern die Betriebsrichtung, kommen weitere Faktoren ins Spiel, die sich unserem Einfluss völlig entziehen. Dazu gehört unter anderem die Erwartungshaltung der Lotsen bezüglich der weiteren Entwicklung von Windrichtung und -geschwindigkeit am Boden und in der Höhe.

Bitte berücksichtigen Sie daher, dass die Vorhersage einer ‚indifferenten Situation’ in solchen Fällen kein ‚billiger Joker’ ist, sondern eine exakte Beschreibung der Unwägbarkeiten des Gesamtkomplexes Entwicklung der Windrichtung vs. Festlegung der Betriebsrichtung darstellt – so unbefriedigend das für Sie und uns auch sein mag.

Fehlprognosen aufgrund falscher Wind- und Witterungsvorhersagen treten auch auf, sie sind allerdings eher selten. So kam es am Sonntag, den 29.6. gegen 19.45 Uhr zu einem unvorhergesehenen Wechsel zu Betriebsrichtung 07 (Ost). Ein Blick auf die METAR-Windangaben am Frankfurter Flughafen im relevanten Zeitraum zeigt, dass die Betriebsrichtungsänderung nicht in erster Linie der Windkomponente aus 70° Ostnordost geschuldet war. Vielmehr dürfte das Vermeiden einer ausgeprägten Gewitterzelle im Osten Frankfurts im Landeanflug für die Wahl der Betriebsrichtung den Ausschlag gegeben haben. Leider sind Auftreten und Verlagerung solcher Konvektionszellen, auch kurzfristig, nicht mit hinreichender Genauigkeit vorhersagbar.

Regenradar 29.6., 19.10 Uhr

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