Flughöhen über Wiesbaden Teil 2

Die Ergebnisse im Überblick



Insgesamt gingen 20190 Bewegungen in die Auswertung ein, davon 16624 nach Einführung der neuen Routen.

Der April zeichnet sich durch eine signifikant höhere Bewegungszahl auf dieser Strecke aus, ca 3500 Bewegungen in Februar und Juli stehen mehr als 5600 im April gegenüber. Im September war wieder eine deutliche Steigerung der Bewegungsanzahl erkennbar.

Die durchschnittliche Höhe der Überflüge sank vom Februar zum April leicht um 130 m um dann bis zum September wiederum um mehr als 500 m anzusteigen. Gegenüber Februar liegt die durchschnittliche Höhe aller Überflüge im September um 465 m höher.

Die durchschnittliche laterale Abweichung von der „Ideallinie“ liegt ebenso wie die maximale Abweichung in allen Beobachtungszeiträumen gleich bei jeweils ca. 240 bzw. 1850 m.

Nachdem der durchschnittliche Abstand in gerader Linie von der Ausgangskoordinate (immer x,y-Koordinate der Flugroute, vom Boden aus gesehen) sich geringfügig um 100 m von Februar zu April hin verringert hat, stieg dieser Abstand zum Juli hin um fast 600 m an, hier wirkt sich die erhebliche Steigerung der durchschnittlichen Überflughöhe aus. bis September hat es hier nur geringfügige Veränderungen gegeben.

Bei Betriebsrichtung 07 verbleibt der gravierende Unterschied in der Zahl der Bewegungen zwischen den Monaten bestehen, hier wird zusätzlich der Einfluss der Betriebsrichtung auf die erfasste Bewegungszahl im Unterschied zur Gesamtzahl (s.o.) deutlich – im Juli macht die Betriebsrichtung 07 etwa 30% der Gesamtzahl aus – und nähert sich damit dem der normalen Verteilung. Hingegen war der April mit 83% Betriebsrichtung 07 und der Februar mit 86% Betriebsrichtung 07 ungewöhnlich. Im August sank der Anteil von Betriebsrichtung 07 auf 25% um im September wieder auf 32% anzusteigen.

Die durchschnittliche und minimale Höhe zeigen unterschiedliche Verhältnisse: Während die minimale Höhe von Februar bis September kontinuierlich ansteigt, sinkt die Durchschnittshöhe im April geringfügig um dann wieder anzusteigen. Im September ist faktisch die „alte“ durchschnittliche Überflughöhe wieder erreicht. Bei der lateralen Abweichung von der „Ideallinie“ ergeben sich auch und gerade bei Betriebsrichtung 07 keine größeren Unterschiede.

Der durchschnittliche Abstand von der Ausgangskoordinate zeigt eine kontinuierliche Steigerung, was mit der Steigerung der durchschnittlichen Höhe bei gleichbleibenden lateralen Abständen korrespondiert.

 

Einhaltung von Mindestflughöhen

Besonders interessiert auch die Frage nach der Einhaltung von sogenannten Mindestflughöhen. Hier ergibt die Analyse der Daten folgendes:

 

Gesamt Feb Gesamt Apr Gesamt Jul Gesamt August Gesamt September
Anzahl 3566 5655 3418 3459 4092
Unter 4000 33 163 24 4 0
Anteil 0,93 2,88 0,70 0,1 0
Unter 5000 407 1173 247 70 89
Anteil 11,41 20,74 7,23 2,02 2,17

Abb.: Mindestflughöhen im Auswertungszeitraum bezogen auf die Gesamtzahl Überflüge

 

Die Daten zeigen, dass in allen Zeiträumen der Anteil an Maschinen unter der Marke von 4000 ft relativ gering ist, wohingegen es bei der Marke 5000 ft eine signifikante Veränderung vom Februar zum April und dann wieder bis zum September gibt: Zunächst eine Steigerung von 11,4% auf über 20% und dann ein Absinken auf aktuell noch 2,17%.

 

Höhenstaffelung

Die anteilige Höhenstaffelung in 1000 ft – Abschnitten ist in nachfolgender Grafik erkennbar:

Diese Auswertung korrespondiert mit der Grafik zur Auswertung der Betriebsrichtung 07:

Bis zur Höhe von 5000 ft nimmt der Anteil im April und nochmals im Juli zu, während in den Bereichen von 5000 ft bis 7000 ft die Anteile im Juli gegenüber April wieder geringer werden. Die Anteile über 7000 ft sind ab April bis August geringer wie vor der Umstellung, im September ist hier eine deutliche Steigerung zu erkennen die sich in den oberen Höhenbändern noch verstärkt.

 

Bewertung der Ergebnisse

Diese wie bereits andere Auswertungen mit dem vorgestellten Tool als ein Monitoringinstrument des UNH zeigen, dass brauchbare Analysen, Darstellungen und Bewertungen von Veränderungen an den Flugrouten gut möglich sind.

Die übermittelten Fanomos-Daten sind genau und umfangreich attribuiert, so dass Auswertungen in jeder Richtung möglich sind. Die grafische Aufbereitung der Ergebnisse, insbesondere die Darstellungen der Durchflugtore, sind verständlich und selbsterklärend.

Auf die Auswertung nach Wirbelschleppenkategorien (Heavy, Medium, Light) wurde bewusst verzichtet, da dies für die Überflughöhe in Wiesbaden keinen maßgeblichen Einfluss hat (Dieser Parameter ist bei der Betrachtung von Abflugstrecken  relevant).

Im Ergebnis zeigt sich, dass die Verschiebung der Gegenanflugstrecke im Norden um 2,55 km nicht zu einer Auffächerung der anfliegenden Maschinen in der Breite (laterale Abweichung von der Flugroute) geführt hat. Die anfänglich signifikant verringerte Überflughöhe wurde bei der maßgeblichen Betriebsrichtung 07 im Laufe der Monate wiederum kontinuierlich gesteigert und liegt im September zum 2. Mal in Folge über den Höhen vor der Umstellung. Im Gesamtdurchschnitt, also unter Einbeziehung auch der Betriebsrichtung 25, die ja zu annähernd 75% der Zeit geflogen wird, ist die durchschnittliche Höhe gegenüber der alten Höhe um fast 500m gestiegen, damit ist die Gesamtlärmbelastung in Wiesbaden durch den Gegenanflug gesunken, nicht angestiegen. Einzig die Verschiebung über die Stadtmitte hat zu einer Veränderung in der Form geführt, dass jetzt wegen der höheren Bevölkerungsdichte dort mehr Menschen Überflüge und damit Fluglärm wahrnehmen als vorher.

Die Auswertung der Unterschreitung von Mindesthöhen zeigt 2 wesentliche Ergebnisse:

1. Es gab diese Unterschreitungen auch schon vor Änderung der Routen

2. Es bedurfte einer gewissen Eingewöhnungsphase, um zu einer Verringerung dieser unerwünscht niedrigen Flugbewegungen zu kommen. Dass der Anteil im Juli sogar niedriger als im Februar liegt, ist durch den erhöhten Betriebsrichtung 25-Anteil zu erklären. Das schmälert jedoch nicht die vorstehend getroffene Aussage der Entlastung Wiesbadens „unter dem Strich“, denn Betriebsrichtung 25 ist nun einmal die vorherrschende Betriebsrichtung. Der Anteil von noch 6,7% unter 5000 ft bei Betriebsrichtung 07 (2,17% an Gesamtbewegungen) im September als nochmalige Reduzierung gegenüber August zeigt die offensichtlich mittlerweile nachhaltige Stabilisierung.


Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Fluglärmmonitoring abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare sind geschlossen.