Fragen und Antworten zur Lärmwirkungsstudie

Das Umwelt- und Nachbarschaftshaus hat am 14.04.2011 zunächst in einer Pressekonferenz und im Anschluss daran in einer Informationsveranstaltung für den Konvent und weitere Interessenten, die Inhalte und den Ablauf der Lärmwirkungsstudie dargestellt. Das Konsortium unter der Leitung von Herrn Prof. Guski stellte die drei Module ausführlich vor. Diese finden Sie bereits in unserem Blog.

Die Fragen der Konventmitglieder wurden mitgeschrieben und im Nachgang vom Konsortium beantwortet:

 

Fall-Kontroll-Studie:

1. Sind die Aussagen in der Fall-Kontroll-Studie repräsentativ und gesichert?

Im Unterschied zu vielen anderen epidemiologischen Studien, bei denen zu den Nichtteilnehmern („Non-Respondern“) nur sehr wenige Angaben vorliegen, sind in unserer Fall-Kontroll-Studie für alle einbezogenen Versicherten auch Krankenkasseninformationen vorhanden. Damit ist eine differenzierte sogenannte „Non-Responder-Analyse“ möglich, und es lässt sich einschätzen, ob und ggf. wie sich Teilnehmer und Nichtteilnehmer bezüglich zentraler gesundheitlicher Merkmale unterscheiden.

Außerdem ist ein Abgleich mit den Angaben aus dem Basismodul möglich. Damit besteht eine zweite Möglichkeit, die Teilnehmer an der Fall-Kontroll-Studie bezüglich einer potenziellen „Selektions-Verzerrung“ zu untersuchen. In vergleichbaren Studien, die einen Zugang über Krankenkassen gewählt haben, konnten Teilnahmeraten von teilweise über 50 % erreicht werden. Die im Angebot vorgenommene Schätzung einer Teilnahmerate von „deutlich über 30 %“ ist damit im statistischen Sinne konservativ, geht also von ungünstigen Annahmen aus, um bezüglich des kalkulierten Aufwands einen ‚Sicherheitspuffer’ zu haben.


2. Was passiert wenn die erwartete Reponserate von 30 % durch die schriftliche Befragung nicht erreicht wird?

Das Konsortium hat im Sinne einer konservativen Schätzung von einer erwarteten Responserate von „deutlich über 30 %“ gesprochen (siehe auch Ausführungen zu 1.). Es ist nicht zu erwarten, dass die Teilnahmerate unter 30% liegen wird. Die Nutzung von Krankenkassendaten in epidemiologischen – nicht nur in umweltepidemiologischen – Studien ist bereits mehrfach durchgeführt worden.


3. Gibt es eine Sitzung mit der QS um offene Fragen zu klären?

Herr Lanz erklärt, dass es selbstverständlich weitere Sitzungen mit der externen Qualitätssicherung geben wird. Von Seiten des Konsortiums werden regelmäßige gemeinsame Sitzungen von externer Qualitätssicherung und Vertretern des Konsortiums begrüßt.


4. Die Untersuchung von Brustkrebsrisiken ist der Greiser-Studie geschuldet. Sollen auch andere Krebsarten beachtet werden ?

Ein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei Fluglärmbelastung wurde erstmalig auf der Grundlage von Untersuchungen am Flughafen Köln-Bonn vermutet. Dieser Hypothese geht unsere Studie nach. Darüber hinaus beziehen sich unsere Studienhypothesen nicht auf Krebserkrankungen, sondern auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen.


5. Stimmt es, dass  das Access Panel gebildet werden soll, weil die Akquise von Probanden schwierig ist?

Die Bildung eines Access Panels, also eines Pools von Adressen, aus denen die späteren Studienteilnehmer gezogen werden, ist übliche sozialwissenschaftliche Praxis. Dieses Panel wird üblicherweise mehrfach überhöht gefüllt, also etwa mit dem 2- bis 5-fachen der kalkulierten Teilnehmerzahl. Dieser Umstand ist nicht allein einer potentiellen suboptimalen Response geschuldet, sondern auch dem Tatbestand, dass es in allen Studien immer auch qualitätsneutrale Ausfälle gibt (z.B. durch veraltete Adressen, Tod etc.) und zusätzlich häufig die Option für weiterführende Analysen mit ‚neuen’ Teilnehmern erhalten werden soll. Es ist weniger aufwändig, einmalig ein großes Panel aufzubauen, als bei Nichterreichen oder neuen Fragestellungen erneut Adressen bei einer Vielzahl von Meldeämtern zu rekrutieren.


6. Stimmt es, dass bei höherer Betroffenheit, eine höhere Bereitschaft der Beteiligung zu erwarten ist?  Das bedeute dann, dass es eher eine höhere Rückmeldung gibt und die Einschätzung eher konservativ ist.

Eine gleichmäßig hohe Rückmeldung in der gesamten Studienregion ist von hoher Bedeutung für die Gewinnung unverzerrter Studienergebnisse. Das Konsortium wird daher intensive Anstrengungen unternehmen, um in der gesamten Studienregion eine gleichmäßig hohe Teilnahmerate zu erzielen.

 

Blutdruck / Schlaf:

1. Welchen Wert, welche Pegel erwarten Sie als Ergebnis bezüglich der Aufwachreaktion?

In der Schlafstudie werden kontinuierlich die Innenpegel am Ohr des Schläfers aufgezeichnet. In der Feldstudie in Köln/Bonn haben wir für die Maximalpegel der Fluggeräusche dabei einen Bereich von ca. 30 – 70 dB(A) gemessen. Wir streben an, diesen Bereich auch in der Frankfurter Studie abzudecken. Damit ist dann ein Vergleich der Aufwachwahrscheinlichkeiten an beiden Flughäfen möglich.


2. Wie werden die  40 Probanden ausgewählt?

Die Gebietsauswahl erfolgt zusammen mit dem UNH. Es werden Testmessungen an den Messstellen durchgeführt. Wir benötigen 40 schlafgesunde Personen, die in der Nacht im Schlafraum  hauptsächlich  Fluglärm aber wenig anderem Lärm ausgesetzt sind. Die Maximalpegel innen der Fluggeräusche aller Probanden sollen dabei einen Bereich von ca. 30 – 70 dB(A) abdecken.


3. Wie sieht die alternative Methode aus?

Aufgrund unserer Schlafdaten aus dem  Labor, in dem die Probanden i.a. sensitiver reagieren als bei sich zuhause, gibt es die Idee, Veränderungen im EKG in Kombination mit der Körperbewegung zu analysieren und zu überprüfen, ob diese Messgrößen mit den durch die Polysomnographie bestimmten Aufwachreaktionen eindeutig zusammenhängen. Sollte dieses der Fall sein, könnten die aufwändigen polysomnographischen Messungen durch deutlich einfachere EKG-/Körperbewegungsmessungen ersetzt werden.


4. Wie wird der Lärmpegel bestimmt? Wird gemessen oder auf andere, bereits vorhandene Daten  zurück gegriffen?

Es geht um chronische Wirkungen, daher wird der Dauerschallpegel verwendet. Es werden berechnete Außen-Fluglärmwerte genutzt. Es werden die Lärmpegel genommen die für das jeweilige Jahr berechnet werden: Dauerschall-, Maximalpegel und Anzahl von Flugbewegungen.  Diese werden mit dem Blutdruckwerten bzw. dem Vorliegen eines Bluthochdrucks unter Einbezug individueller Risikofaktoren korreliert.


5. Das genannte Vorgehen führt dann aber zu einer massiven Unschärfe. Werden  die Innenraumpegel einbezogen?

Die Menschen sind nicht den ganzen Tag im Innenraum. Es sind zudem chronische Wirkungen, die Blutdruckwerte beeinflussen können. Daher lassen wir die Leute zu Hause in Ruhe messen. Das gesamte Umfeld hat einen Einfluss auf den Blutdruck, nicht nur der Innenpegel. Diesem Umstand wird über eine umfassende standardisierte Schulung der Teilnehmer, die bereits im Rahmen der Vorstudie 2011 erprobt wird, begegnet. So soll der Proband mind. 30. Minuten vor der Messung nicht rauchen, eine 5-minütige Ruhephase vor der Messung einhalten, die Messungen morgens und abends zu etwa den gleichen Uhrzeiten durchführen etc.. Da Messgeräte verwendet werden, deren Uhrzeit funkgesteuert ist, sind technisch zwar die Voraussetzungen gegeben, dass auch nachträglich jeder Einzelwert über die Zeitangabe auch Flugeinzelereignissen zugeordnet werden kann, sofern sie bekannt sind. Die Korrelation von einem Überflug und dem Blutdruck zu berechnen, ist evtl. jedoch nicht sinnvoll, da, wie erwähnt, Blutdruckänderungen infolge einer chronischen Reaktion auf chronische Lärmexposition erfasst werden soll. Die Idee, Überflüge und andere zeitbekannte akute Einflüsse möglicherweise als Co-Faktoren einzubeziehen, sofern sie genau verortet werden können, sollte aber diskutiert werden.

 

6. Sind Sie sich sicher, dass man eine alternative Messmethode mit 40 Personen ermitteln kann? Besteht nicht die Gefahr eines Zufallsergebnisses?

Unter Verwendung der Daten der Köln-Bonner Feldstudie haben Powerberechnungen ergeben, dass die Untersuchung von 35 Personen à 3 Nächten ausreicht, um eine Dosis-Wirkungsbeziehung an schlafgesunden Personen im Feld mit Hilfe der Polysomnographie valide zu bestimmen. Wenn es darum geht, mittels dieser Daten eine alternative, einfachere Messmethode zu validieren, wäre es natürlich wünschenswert, wenn ein oder zwei andere Wissenschaftlergruppen unabhängig von uns die gleiche Fragestellung bearbeiten würden. Mir ist allerdings derzeit keine Gruppe bekannt, die einen ähnlich hohen Messaufwand im Feld realisiert. Unabhängig davon muss aber die Validierung der alternativen Messmethode nicht ausschließlich aufgrund der am Frankfurter Flughafen vermessenen 40 Probanden erfolgen, sondern es können, sofern benötigt, auch Datensätze aus unseren früheren Feldstudien in die Validierung mit einfließen.

 

7. Wie kommen Sie auf eine Personenzahl von 1600? Gibt es dazu eine Powerberechnung?

Nach zwei Wellen ist die Vorgabe für die Mindeststichprobe N=1000 Personen, die zwei mal teilgenommen haben. Um diese Endzahl zu erhalten wurde nach einem Ansatz, dass 30-40%, also etwa N=600 Personen ausfallen können, N=1600 als Ausgangsstichprobe gewählt. Hinzu kommen N=400, die über die Stichprobe der Schlafstudie ausgewählt werden.

Eine Powerberechnung existiert (vgl. Antrag): Die Hauptauswertung bezogen auf die Lärmexposition wird mit den Daten der ersten Welle, also N=1600 zzgl. N= 400 durchgeführt. Um zu einer Aussage über einen signifikanten Anstieg des Mittelwertes zu kommen, ist beim Vergleich von zwei Expositionsgruppen (Hoch/ Niedrig) jeweils eine Gruppengröße von N=700 pro Expositionsgruppe notwendig, was mit N=1600 bzw. N=2000 erreicht wird. Auswertungen über mehr Expositionsstufungen sind nach Klassifizierung der Blutdruckwerte in „Bluthochdruck: ja/ nein“ möglich, da hier, im Gegensatz zur Auswertung der steten Blutdruckmittelwerte, die notwendige Gruppengröße auf etwa N=400 sinkt, um statistisch belastbare Ergebnisse zu erhalten

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