Modul 3: Wirkungen von Fluglärm auf kognitive Leistungen und Lebensqualität bei Grundschulkindern

Hintergrund

Studien, die seit den 1990er Jahren an anderen europäischen Flughafenstandorten durchgeführt wurden, deuten darauf hin, dass sich eine dauerhafte Belastung (Exposition) durch Fluglärm ungünstig auf die geistige Entwicklung von Kindern auswirken kann. In diesen Studien zeigten sich übereinstimmend schlechtere Leseleistungen bei fluglärmexponierten Kindern; teilweise wurden auch negative Wirkungen auf Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistungen berichtet.

Diese Befunde stellen jedoch keine Belege für eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Fluglärmbelastung und Leistungsdefiziten dar. Die kognitive Entwicklung und die schulischen Leistungen von Kindern werden durch viele Faktoren im Bereich des familiären Umfelds und des Unterrichts beeinflusst, die zum Teil mit der Fluglärmbelastung zusammenhängen. Um etwaige Beeinträchtigungen fluglärmbelasteter Kinder ursächlich auf den Lärm zurückführen zu können, müssen diese nicht-lärmbezogenen Einflussfaktoren sorgfältig kontrolliert werden. Dies ist in den älteren Studien oft nicht in ausreichendem Maße erfolgt. In der geplanten Kinderstudie wird der Kontrolle dieser Einflussfaktoren größte Aufmerksamkeit gewidmet, um aussagekräftige Schlussfolgerungen über die Auswirkungen des Fluglärms auf die Kindesentwicklung zu ermöglichen.

Forschungsdesign

In einer Stichprobe von 50 Schulklassen aus 25 Grundschulen (insgesamt etwa 1.000 Kinder) werden Lese-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen der Kinder anhand entwicklungspsychologisch fundierter Testverfahren erhoben. Darüber hinaus werden sprachliche Fähigkeiten erfasst, die für den Leseerwerb sehr wichtig sind. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass die negativen Wirkungen von Lärm auf das Lesenlernen durch Wirkungen auf die dem Lesen zugrunde liegenden sprachlichen Fähigkeiten zustande kommen. Die genauere Kenntnis dieser Mechanismen ermöglicht die Planung konkreter Maßnahmen zur Prävention und Kompensation der Lärmwirkungen. Neben den Testaufgaben werden Befragungen der Kinder zur umwelt- und gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Belästigung durchgeführt. Familiäre und unterrichtsbezogene Einflussfaktoren werden durch Eltern- und Lehrerfragebögen und Daten zur Sozialstruktur in den Einzugsgebieten der Grundschulen erfasst.

Durchführungskonzept

Die Zusammenstellung der Stichprobe erfolgt anhand einer Kartierung der Grundschulen nach tagesbezogenen Fluglärmpegeln (LDAY06-22)). Je nach Verteilung der Schulen auf die Untersuchungsgebiete werden 4 bis 5 Belastungsgruppen mit Pegelwerten zwischen 40 bis ca. 60 dB gebildet. Straßen- und Schienenlärmbelastung der Schulen sowie bau- und raumakustische Merkmale der Klassenräume werden erfasst und bei der statistischen Analyse der Fluglärmwirkungen berücksichtigt. Neben den Pegeln an den Schulstandorten werden Flug-, Schienen- und Straßenlärmpegel individuell an den Wohnadressen der Kinder erfasst. Hierbei werden auch die Nachtpegel berücksichtigt.

Die umfangreichen Daten zur Lärmbelastung an den Schulen und Wohnadressen ermöglichen einen Querschnittsvergleich von Kindern aus unterschiedlich fluglärmexponierten Grundschulen sowie die Berechnung von Belastungs-Wirkungs-Kurven auf der Grundlage der individuellen wohnort­bezogenen Pegelwerte.

Die Datenerhebung erfolgt im Frühjahr 2012. Es werden Kinder untersucht, die zu diesem Zeitpunkt am Ende der zweiten Klassenstufe stehen. Die Datenerhebung erfolgt durch qualifizierte und geschulte Untersuchungsteams. Alle Testaufgaben und Befragungen werden im Klassenverband durchgeführt. Hierfür werden pro Schulklasse zwei Doppelstunden benötigt. Aufgrund der abwechslungsreichen Aufgaben und des Wechsels zwischen Testaufgaben und Befragungen stellt dies keine Überforderung der Kinder dar.

Die Kinderstudie wird vom Fachgebiet Psychologie der Frühförderung der TU Kaiserslautern verantwortlich geleitet und in Kooperation mit der Hörzentrum Oldenburg GmbH und Möhler + Partner Ingenieure AG durchgeführt.

Literatur:

Aydin Y, Kaltenbach M: Noise perception, heart rate and blood pressure in relation to aircraft noise in the vicinity of Frankfurt airport. Clin Res Cardiol 2007; 96: 347–58.

Huss A, Spoerri A, Egger M, Röösli M. Aircraft Noise, Air Pollution, and Mortality From Myocardial Infarction. Epidemiology 2010;21:829-836.

Jarup L, Babisch W, Houthuijs D et al.: Hypertension and exposure to noise near airports – the HYENA study. Environmental health perspectives. 2008; 116: 329–33.

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