Modul 1 – Lärmbelästigung und Lebensqualität der Wohnbevölkerung

Hintergrund

Das Untersuchungsmodul 1, das Basismodul der Lärmwirkungsstudie, befasst sich mit dem Belästigungs- und Störungserleben durch Flug-, Schienen- und Straßenverkehrslärm der Wohnbevölkerung in der Rhein-Main-Region sowie mit den Auswirkungen des Verkehrslärms auf die Lebensqualität.

Gesundheitliche Unversehrtheit und der Schutz der Wohnbevölkerung vor erheblicher Belästigung durch Lärm sind hohe Schutzgüter. Für rechtliche und politische Rahmensetzungen sowie für die Planung wirksamer Lärmminderungsmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ist die Kenntnis von Qualität und Quantität der Wirkung von Verkehrslärm auf die betroffene Wohnbevölkerung elementar. Insbesondere in Situationen wie in der Rhein-Main Region, in der es durch den Ausbau des Frankfurter Flughafens einerseits und der Einführung aktiver Lärmminderungsmaßnahmen andererseits in verschiedenen Teilregionen zu unterschiedlichen Be- und Entlastungen kommen wird, gilt es, die Auswirkungen dieser vielfältigen Veränderungen in der Wohnbevölkerung zu verfolgen, um dem Schutz der Bevölkerung Rechnung tragen und zu einer besseren Planungssicherheit beitragen zu können. Dabei soll auch untersucht werden, welche Zusammenhänge zwischen den Verkehrslärmgeräuschen, den erlebten Beeinträchtigungen durch Verkehrslärm und den von den Betroffenen berichteten Erkrankungen bestehen. Ebenso sind die Auswirkungen von Mehrfachbelastungen durch mehrere einwirkende Verkehrslärmquellen Gegenstand der Untersuchung.

Forschungsdesign

Die Erhebung von Lärmbelästigung und Lebensqualität erfolgt durch mehrere telefonische Breitenerhebungen in der Wohnbevölkerung im Rhein-Main-Gebiet. Erfasst werden Angaben zu Störungen und zur Belästigung durch Flug-, Schienen- und Straßenverkehrslärm, außerdem zur erlebten Wohn-, Schlaf- und gesundheitsbezogenen Lebensqualität und zu ärztlich diagnostizierten Herz-Kreislauf-Erkrankungen.  Bewertungen der Verkehrslärmarten, Einstellungen und Erwartungen zum Flughafenausbau und den damit verbundenen Planungsprozeduren und grundlegende soziodemographische Angaben gehören ebenfalls zu den erhobenen Befragungsdaten. Für die Wohnadresse jedes Studienteilnehmers werden die verschiedenen Verkehrslärmwerte bestimmt.

Da die Veränderungen am Frankfurter Flughafen in ihren Auswirkungen begleitend untersucht werden, ist eine Längsschnittstudie mit jährlichen Wiederholungsbefragungen von 7.000 Anwohnern aus der Region vorgesehen. Der Schwerpunkt der Längsschnittstudie liegt auf den Auswirkungen des Fluglärms unter Einbezug von Schienen- und Straßenverkehrslärm. Zusätzlich werden im Jahr 2012 Querschnittsstudien bei weiteren 6.800 Anwohnern aus der Rhein-Main-Region Erhebungen mit Fokus auf Schienen- und Straßenverkehrslärm sowie auf Mehrfachbelastungen durch mehrere Verkehrslärmquellen durchgeführt. Anhand von vergleichenden Lärmwirkungserhebungen an drei anderen Flughäfen, darunter am ebenfalls von Änderungen betroffenen Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI), lassen sich regionsspezifische Effekte bzw. Auswirkungen der besonderen Ausbausituation am Frankfurter Flughafen abschätzen. An diesen Vergleichsuntersuchungen nehmen je 2.500 bis 5.000 Anwohner pro Flughafenstandort teil. Die Ziehung der Befragungsstichproben erfolgt so, dass die ausgewählten Teilnehmer unterschiedlich stark belasteten Gebieten entstammen, um die Wirkungen von Tages- und Nachtbelastungen durch unterschiedlich laute und häufige Überflüge bzw. Fahrzeugvorbeifahrten ermitteln zu können. Somit können Belastungs-Wirkungsbeziehungen ermittelt werden, d.h. es wird festgestellt, bei welcher Lärmbelastung welches Ausmaß an Auswirkungen entsteht  – z.B. welcher Anteil der Bevölkerung sich bei welchem Lärmpegel hochgradig belästigt fühlt. Diese mit statistischen Modellrechnungen ermittelten Belastungs-Wirkungsbeziehungen werden für jede Verkehrslärmart an allen untersuchten Flughafenstandorten ermittelt, in den Längsschnittstudienteilen zum Fluglärm zudem zu jedem Erhebungszeitpunkt. Durch den Vergleich der Belastungs-Wirkungsbeziehungen lassen sich zeitliche Veränderungen in den Auswirkungen des Fluglärms sowie etwaige Unterschiede in den Wirkungen von Flug-, Schienen- und Straßenverkehrslärm aufzeigen.  Zudem kann geprüft werden, inwieweit es bei Belastungen durch mehrere gleichzeitig einwirkende Verkehrslärmquellen zu einer höheren Gesamtlärmbelästigung in der Bevölkerung kommt als bei Einwirkung nur einer Lärmquelle.

Durchführung

Für die Längsschnittstudie in der Rhein-Main Region wird ein Teilnehmerpool (Access Panel) von befragungsbereiten Anwohnern aufgebaut, die von 2011 bis 2013 jährlich befragt werden. Das Untersuchungskonzept ist so angelegt, dass weitere regelmäßige Erhebungen nach 2013 möglich sind und damit ein kontinuierliches Lärmwirkungsmonitoring aufgebaut werden kann. Die für die Studie vorgesehenen Personen werden anhand von Melderegisterdaten und adressbezogenen Daten zum Fluglärm und zur Schienen- und Straßenverkehrsbelastung per Zufall, geschichtet nach aktueller und vorhergesagter künftiger Fluglärmbelastung gezogen und mit der Bitte um Teilnahme angeschrieben. In ähnlicher Weise werden auch die Teilnehmer der weiteren im Jahr 2012 stattfindenden Querschnittstudien zum Schienen- und Straßenverkehrslärm und kombinierter Verkehrslärmbelastung in einem nach Lärmpegeln geschichteten Zufallsverfahren ausgewählt. Das Gleiche gilt für die zu befragenden Anwohner an den übrigen Flughafenstandorten außerhalb der Rhein-Main-Region.  Dort finden die Befragungen im Jahr 2013, am Flughafen BBI in den Jahren 2012 und 2013 statt. Anhand von Geokoordinaten, Verkehrs- bzw. Flugbewegungsdaten erfolgen adress- bzw. fassadengenaue Berechnungen akustischer Kennwerte für die Flug-, Schienen- und Straßenverkehrsgeräuschbelastung an der Wohnadresse jedes Untersuchungsteilnehmers.

Konzeption, verantwortliche Leitung und wissenschaftliche Auswertung der Daten des Untersuchungsmoduls  1 zur Lärmbelästigung und Lebensqualität liegt bei der ZEUS GmbH, Zentrum für angewandte Psychologie, Umwelt- und  Sozialforschung, Hagen, unter beratender Mitwirkung der Ruhr-Universität Bochum. Den Aufbau des Access Panels und die Durchführung aller telefonischen Befragungen verantwortet die Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum GmbH (SUZ), Duisburg.

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