Die Lärmwirkungsstudie – Vorbemerkung

Ab April 2011 startet eine groß angelegten Lärmwirkungsstudie des Forum Flughafen und Region (FFR) in der Rhein-Main Region und an Vergleichsstandorten. Ziel der Studie ist es, eine möglichst repräsentative und wissenschaftlich abgesicherte Beschreibung der Auswirkungen des Lärms vom Flug-, Schienen- und Straßenverkehr im Rhein-Main-Gebiet auf die Gesundheit und Lebensqualität der betroffenen Wohnbevölkerung zu erhalten. Mehrere renommierte Forschungs- und Fachinstitutionen der Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaft, Akustik und Physik haben sich zu einem Forschungskonsortium zusammengeschlossen, um der gesamtheitlichen  Erforschung der Wirkung von Verkehrslärm nachzugehen.

In der Studie wird von einem stresstheoretischen Ansatz ausgegangen, wonach akute Lärmereignisse zu akuten psychischen und physischen Veränderungen im Menschen führen, deren Stärke sowohl von der Häufigkeit und Intensität des Lärms abhängt als auch von individuellen und sozialen Erfahrungen, Erwartungen und den vom aktuellen Lärm unabhängigen sonstigen Belastungen der Betroffenen. Die Wiederholung der akuten Lärmreaktionen kann solange ohne langfristige Folgen bleiben, wie es Schutz- und Ausgleichsmöglichkeiten für die Betroffenen gibt, z.B. ausreichend lange Zeiten der Ruhe, Vertrauen in die für den Lärmschutz Verantwortlichen und effektive Möglichkeiten der Mitsprache beim Management der Lärmbelastung. Sind Schutz- und Ausgleichsmöglichkeiten nicht ausreichend gegeben, dann kann die Wiederholung der akuten Lärmreaktionen langfristig zur Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung von Kindern und zur Entstehung oder Verstärkung von Krankheiten führen, v.a. von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Dabei ist jedoch zu berück­sichtigen, dass sich die Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung sowie die Entstehung von Krankheiten sehr selten auf einen einzigen Umweltfaktor, wie z.B. den Verkehrslärm, zurückführen lässt, sondern in der Regel auf eine komplexe Konstellation von körperlichen, geistigen, sozialen und Umwelt-Bedingungen.

Die Lärm-Untersuchungen im Rhein-Main-Gebiet finden im Hinblick auf den Fluglärm in einer besonderen Situation statt: Der Flughafen wird im Oktober eine neue Landebahn in Betrieb nehmen, es wird tagsüber mehr Flugbewegungen geben, dafür sollen in der Nacht weniger Flugzeuge fliegen, wobei noch unklar ist, wie viele Flugbewegungen es endgültig sein werden, und obendrein werden einige Flugrouten und Flugverfahren geändert, so dass einige Wohngebiete tags etwas stärker belastet werden als andere, und einige Wohngebiete nachts stärker entlastet werden als andere. Niemand kann genau vorhersagen, wie sich diese komplexen Änderungen auf die betroffene Wohnbevölkerung auswirken werden. Es ist daher Aufgabe der Lärm-Untersuchungen in diesem und den nächsten Jahren, den Auswirkungen all der Veränderungen am Flughafen in der betroffenen Bevölkerung nachzugehen und diese mit den Lärmauswirkungen bei Anrainern von drei anderen Flughäfen in Deutschland zu vergleichen. Zur Beantwortung der umfassenden Fragestellungen werden in der Studie unterschiedliche Erhebungsmethoden eingesetzt: Telefonische Befragungen, medizinische Erhebungen und kinderpsychologische Untersuchungen an bis zu 24.000 Bewohnerinnen und Bewohnern des Rhein-Main-Gebiets. Weiterhin werden Krankenversicherungsdaten von ca. 1,5 Millionen Versicherten ausgewertet und im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie von Versicherten mit Herz-Kreislauf-Neuerkrankungen sowie bei einer Kontrollgruppe individuell weitere Gesundheitsdaten und Risikofaktoren erhoben, um durch Verkehrslärm bedingte Erkrankungsrisiken quantitativ exakter abschätzen und einen möglichen Lärmeinfluss von anderen Gesundheitsrisiken trennen zu können. Für jeden Untersuchungsteilnehmer wird dessen jeweilige Verkehrslärmbelastung adressgenau ermittelt und in statistischen Analysen mit den Wirkungsdaten in Beziehung gesetzt. Die Fluglärmberechnungen für die Rhein-Main Region werden von der Gemeinnützigen Umwelthaus GmbH, Kelsterbach, für die übrigen Flughafenstandorte von Avia Consult,  Strausberg, durchgeführt. Die Aufbereitung aller akustischen Daten und die Berechnungen der Schienen- und Straßenverkehrsgeräuschbelastung an allen Standorten übernimmt für alle Untersuchungsmodule die Möhler + Partner Ingenieure AG, München.

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