Fragen zur Lärmwirkungsstudie – und die Antworten dazu

Hintergrund

Im Laufe des bisherigen Verfahrens wurden immer wieder Fragen gestellt und teilweise auch Kritik am Verfahren geübt. Wichtige Aspekte und Fragen sind hier aufgelistet, da sie immer wieder auftauchen. So kann hier jederzeit nachgelesen werden, wie sich der Sachverhalt darstellt. Die Rubrik wird ständig erweitert oder ergänzt.

Ist die Fluglärmstudie des UNH modular aufgebaut, wie von vielen gefordert?

Ja, die Studie ist modular aufgebaut. Sie besteht aus 3 Hauptmodulen:

1. Basismodul Belästigung und Lebensqualität

2. Modul Gesundheit

3. Modul Kognitive Leistung und Lebensqualität von Kindern

Die Module eins und zwei sind noch weiter unterteilt in Submodule:

  • Das Basismodul besteht aus den Teilen Flugverkehrsgeräuschbelastung; Straßen- und Schienenverkehrsgeräuschbelastung; Es werden jeweils gesondert Fälle betrachtet, wo eine der Verkehrslärmarten dominiert und wo eine Kombinationswirkung zu erwarten ist. Außerdem werden zum Vergleich spezifischer Fragen weitere Flughäfen (Ausbau sowie Bestand) einbezogen.
  • Das Gesundheitsmodul beinhaltet die umfassende Auswertung von Krankenkassendaten – etwa 2,8 Millionen Personen, zur Absicherung des Ergebnisses eine sog. Fall-Kontroll-Studie mit einer Basis von etwa 24.000 Personen, eine Untersuchung der Auswirkungen von Fluglärm auf das Schlafverhalten sowie ein Blutdruckmonitoring mit über 1000 Personen.

Alle drei Module werden – das ist neu und wichtig für die Auswertung und Bewertung der Ergebnisse – durch ein übergreifendes Forschungsmodell und die Einbeziehung eines gemeinsamen Probandenpools miteinander verbunden.

Ein Anbieter allein kann ein solches Projekt mit den unterschiedlichen Anforderungen eigentlich gar nicht bewältigen.

Das ist völlig richtig. Deshalb hat das UNH in seiner Ausschreibung von Anfang an Interessierte aufgefordert, Bietergemeinschaften zu bilden, die dann gemeinsam die Anforderungen alle abdecken können. So kennt man das ja auch aus größeren Bauvorhaben: 1 Generalunternehmer, der gemeinsam mit anderen ein Projekt umsetzt. Das ist für den Auftraggeber von Vorteil: Er muss sich nicht um Koordination, Abstimmung u.ä. kümmern, funktioniert etwas nicht gibt es immer einen Verantwortlichen und kein Hin- und Herschieben der Verantwortung.

Warum wurde eigentlich um das ganze Ausschreibungsverfahren so ein Geheimnis gemacht? Da könnte man ja leicht auf die Idee kommen, dass da gemauschelt werden sollte.

Das hat eigentlich einen ganz einfachen Grund: Für die Ausschreibung und das Verfahren gelten Gesetze und Verordnungen von Land Hessen, Bund und EU. Und darin ist nun einmal festgelegt, dass Details zum Schutz der Bieterinteressen geheim bleiben. Das Angebotsverfahren selbst ist nicht geheim, jeder Schritt und jede Entscheidung werden ausführlich und mit öffentlich zugänglichen Kriterien begründet, protokolliert und hinterlegt. Andererseits müssen die Bieter in einem solchen Verfahren in vielerlei Hinsicht sozusagen „die Hosen runterlassen“: Finanziell, vom know-how her, persönliche Angaben zu Qualifikationen etc. bis hin zu urheber- und verwertungsrechtlich geschützter, aber für Konkurrenten hochinteressanter Fachinformationen. Diese Informationen müssen daher während des Verfahrens selbst im engeren Kreis der Beteiligten bleiben.

In der Studie am Flughafen Köln wurde doch eindeutig der Zusammenhang von Fluglärm und verschiedenen Krankheiten nachgewiesen. Ist denn sichergestellt, dass das hier in Frankfurt auch nachweisbar wird?

Das ist das Schwierige mit dem „eindeutig“ und dem „nachgewiesen“: Es wurde eindeutig nachgewiesen, dass bei den dortigen Untersuchungen ein statistischer Zusammenhang zwischen Fluglärmbelastung und bestimmten Krankheiten erkennbar war. Aber alle Experten sind sich einig, dass es noch keinen Nachweis eines sog. „kausalen Zusammenhangs“ gibt, lediglich Korrelationen wurden festgestellt. Mit der neuen Studie hier in Frankfurt soll versucht werden, solche Aussagen zu untermauern – oder auch an der einen oder anderen Stelle zu widerlegen. Deshalb wird dasselbe Verfahren wie in Köln/Bonn genutzt, allerdings um mehrere andere Untersuchungsmethoden und Ergänzungen verbessert.

Warum wurde eigentlich der Vorschlag nicht aufgegriffen, diese sog. Fall-Kontroll-Studie an Krankenhäusern in der Region zu machen?

Das hat einen sehr einfachen Grund: Für eine wissenschaftliche Untersuchung muss zunächst festgestellt werden, wieviele Fälle und wieviele Kontrollpersonen man benötigt, um bestimmte Krankheitsauslöser zu untersuchen und wissenschaftlich seriös auszuwerten. Das soll dann z.B. „repräsentativ“ sein, also im optimalen Fall gültig für die ganze Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet. Je kleiner z.B. die Zahl von Herzinfarkten an der Gesamtbevölkerung ist – von denen ja dann auch nicht alle von Verkehrslärm verursacht werden – desto größer muss die Zahl der erkrankten Personen, also der Fälle, und die gleichgroße Zahl der nicht erkrankten, also der Kontrollen sein, um bestimmte auslösende Ursachen herausfinden zu können. Und eine so große Zahl von Fällen und Kontrollen wird man, so wurde es ausgerechnet, in den Krankenhäusern nicht finden. Statt dessen wertet man dazu Krankenkassendaten aus und befragt eine große Zahl von Leuten, die repräsentativ für die Bevölkerung sind.

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