Interview mit Landrat O. Quilling zum UNH

UNH: Herr Quilling, Sie sind ein ausgewiesener Kenner der ganzen Historie um die Entwicklung des Flughafens Frankfurt von der Mediation bis zum FFR heute. Eines der jüngsten Errungenschaften ist neben dem Expertengremium Aktiver Schallschutz das Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach. Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem UNH im Hinblick auf Ihre Erfahrungen der letzten Jahre?
Q: Der Konflikt um den Ausbau des Frankfurter Flughafens hat eines sehr deutlich gezeigt: Es fehlt eine Institution, an die sich die Bürgerinnen und Bürger vertrauensvoll wenden können. Eine Institution, die glaubwürdig informiert – über den gemessenen Lärm oder auch über festgestellte Gesundheitsfolgen. Meine Erwartung ist, dass das UNH in diese Rolle hinein wächst. Dabei gibt es natürlich ein Problem: Das UNH wird vom Land Hessen getragen, und das Land Hessen fordert mit breiter politischer Mehrheit den Ausbau. Darüber hinaus gibt es den breiten politischen Willen für ein Nachtflugverbot, dennoch hat das Land Hessen gegen das Nachtfluggerichtsurteil Revision eingelegt. Um angesichts dieses Konflikts dennoch überzeugend die Rolle eines Transparenzwächters zu spielen, muss das UNH durch Qualität und Unabhängigkeit überzeugen. Als einer der drei Vorsitzenden des Forums Flughafen Region werde ich jedenfalls dazu beitragen.

UNH: 2 aktuelle Themen bestimmen in den letzten Monaten die Diskussion am Flughafen: das 1. Maßnahmenpaket aktiver Schallschutz und die Forderung nach einer Lärmwirkungsstudie zur Untersuchung der gesundheitlichen Auswirkungen von Fluglärm auf die Menschen in der Region. Beide Themen sind für Sie als kommunaler Vertreter im Vorstand des FFR von großer Bedeutung. Wie beurteilen Sie als aktiver Kommunalpolitiker den Umgang mit diesen Themen?
Q: Mit beiden Themen sind ja Quantensprünge verbunden, das muss man sehen: Seit Jahren fordern wir als Anwohner Maßnahmen des aktiven Schallschutzes. Und jetzt haben wir es erstmalig geschafft, die Luftverkehrsseite dazu zu bewegen, einen ersten Schritt zu gehen. Jetzt werden endlich einfachste Maßnahmen an den B 737 der Lufthansa vorgenommen, die den Lärm vermindern. Warum war das eigentlich nicht schon viel früher möglich? Also, ein zwar massiv verspäteter aber doch endlich erfolgter Quantensprung. Und die Gesundheitsstudie: Wer hätte das gedacht, dass Kommunen und Luftverkehrsseite sich auf ein Studiendesign einigen? Jetzt muss man nur aufpassen, dass wir uns angesichts der Komplexität des Vorhabens nicht auf Dauer nur noch mit uns selbst beschäftigen. Da müssen baldmöglichst Ergebnisse auf den Tisch kommen.

UNH: Eines der nächsten großen Streitthemen kündigt sich bereits an: Wie geht es weiter mit dem passiven Schallschutz? Es gibt einerseits die Rechtslage mit Kriterien zur Abgrenzung der Gebiete, mit Wartezeiten für die Anspruchsberechtigten. Andererseits ist aber bereits jetzt zu hören, dass es wohl heftige Diskussionen zu beiden Punkten gibt und noch stärker geben wird. Wie positionieren sich da die Kommunen?
Q: Aktive Schallschutzmaßnahmen führen zur Reduzierung des Lärms, aber nicht zu seiner völligen Beseitigung, insbesondere bei einem zu erwartenden weiteren Anstieg der Flugbewegungen (Prognosefall 2020). Aktive Schallschutzmaßnahmen dürfen also nicht dazu missbraucht werden, um am passiven Schallschutz zu sparen. Darauf würden gerade die Kommunalvertreter achten.

UNH: Diskussionen sind ja immer dann für die Bürgerinnen und Bürger besonders unergiebig und frustrierend, wenn die Sachlage, also Fakten, Voraussetzungen, rechtliche Rahmenbedingungen nicht klar sind. Sehen Sie dem UNH da eine Rolle zuwachsen, hier zur Aufklärung beizutragen oder würden Sie diese Aufklärungsarbeit eher bei Behörden und Flughafenbetreiber sehen?
Q: Da muss man unterscheiden. UNH einerseits und Behörden andererseits haben ja verschiedene Aufgaben. Die Behörden arbeiten nach rechtlichen Kriterien. Da geht es nicht darum, ob Informationen verständlich sind, oder ob sie im Konsens von Kommunen und Luftverkehrsseite gewonnen wurden. Sondern da geht es darum, dass etwa das Fluglärmgesetz eingehalten wird. Nun wissen wir ja alle, dass der Flugverkehr gegenüber anderen Lärmerzeugern vom Gesetzgeber bevorzugt wird. Insofern sind wir sozusagen zur Kooperation verdammt. Und hier kommt die Rolle des UNH ins Spiel: Transparenz und Glaubwürdigkeit durch Kooperation – und zwar über das gesetzlich Notwendige hinaus.

UNH: Herr Quilling, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen noch viel Erfolg im Jahr 2011.

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